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Falsche Reviews erkennen lernen

4 July 2010 No Comment

Viele, die ihre elektronischen Geräte, ihre Bücher, ihre Spiele und ihre Filme online kaufen, verlassen sich bei der Kaufentscheidung auf die Bewertungen anderer Nutzer. Seiten wie Amazon bieten darüber hinaus zur Orientierung nicht einfach nur Reviews, sondern Durchschnittswerte in Form von Sternen oder Punktesystemen, die eine aus den abgegebenen Bewertungen aller Nutzer errechnet werden, an. Da die entsprechenden Firmen und Verkäufer natürlich ein Interesse daran haben, dass sich ihre Waren gut verkaufen, wird bei den guten Bewertungen manchmal gerne ein wenig inkognito nachgeholfen. Die Tätigkeit, durch Sprachrohre, die nicht unmittelbar mit der jeweiligen Firma in Verbindung stehen, eine öffentliche Meinung oder Position zu formulieren, wird im Netz gemeinhin “Astroturfing” genannt.

Wer hinter den Kulissen der Wikipedia unterwegs ist, wird eventuell schon einmal auf den Ausdruck “Sockenpuppe” gestoßen sein. Eine “Sockenpuppe” ist ein anonymer Zweitaccount eines aktiven Wikipedianers, der unter anderem dafür verwendet wird, dem Hauptaccount in einer Artikeldiskussion beizupflichten und damit der Stimme mehr Gewicht zu geben oder kritische Artikeländerungen durchzuführen, mit denen der Besitzer des Hauptaccounts nicht in Verbindung gebracht werden möchte. “Astroturfing” auf kommerziellen Websiten ist im Prinzip dasselbe. Dabei werden mit speziell für diesen Zweck angelegten Accounts positive Reviews oder Kommentare abgegeben, die darauf abzielen, bestimmte Produkte oder bestimmte Meinungen in einem positiven (oder, je nach beabsichtigtem Zweck, negativen) Licht darstehen zu lassen.

Derartige gefälschte Reviews verzerren die Wahrnehmung der Käufer und können Kaufentscheidungen negativ für den Kunden beeinflussen. Da man davon ausgehen kann, dass die (häufig bezahlten) Reviewer dem Produkt kaum kritisch gegenüber stehen und dieses in den meisten Fällen vermutlich weder benutzt oder nicht einmal besessen haben, wird in den Reviews auf etwaige offensichtliche Verarbeitungsfehler oder Designschwächen (natürlich) nicht eingegangen. Dies kann insbesondere bei qualitativ minderwertigen Produkten aus den Bereichen Sport oder Körperpflege fatale Folgen haben.

Wie erkennt man also diese gefälschten Reviews?

In vielen Fällen offenbart sich die wahre Natur der Kommentierenden bereits bei einem kleinen Blick auf den Account. Viele “Sockenpuppen” erkennt man daran, dass sie nur ein oder zwei positive Reviews bei Produkten vom selben Hersteller abgegeben haben. Manchmal verraten sich diese Nutzer auch bereits durch die Wahl ihres Namens, dann nämlich, wenn die Accountnamen erkennbare Variationen von anderen Accountnamen sind, z.B. happykat1234, happykat7593, happykat6687 etc.

Wir sollten unsere Aufmerksamkeit zudem noch einem Phänomen zuwenden, hinter dem zwar keine kommerziellen Interessen stehen, das aber dennoch die Bewertungen eines Produktes zu ungunsten verzerren kann. Die Rede ist hier von Fans und Hassern, die Produkte unkritisch entweder besonders hoch oder besonders niedrig bewerten. Bewertungen à la “Produkt XY ist totaler Müll, lasst die Finger davon und kauft lieber Produkt YX” oder “Ich habe mir Produkt ÜÖ gekauft und würde nie, nie wieder was anderes benutzen *herzchen*” sprechen für sich.

Die meisten Anzeichen für gefälschte bzw. nutzlose Reviews sind so offensichtlich, dass ich mich schon fast schäme, sie hier zu nennen; aus diesem Grund führe ich sie nur stichwortartig auf:

  • Das Review ist in Markting-Sprache abgefasst und strotzt nur so vor inhaltlich leeren Adjektiven und Superlativen.
  • Reviews, in denen der Produktname auffällig häufig vorkommt. Normale Reviews erwähnen den Namen vielleicht höchstens in der Einleitung und beschreiben dann eher die Verarbeitung oder Performance des jeweiligen Produktes. Und das bringt mich zu …
  • … den Produkteigenschaften. Die sind dem Kunden vor Kauf bereits bekannt, weil sie in der Artikelbeschreibung stehen. Nützliche Reviews reiten nicht auf der tollen Auflösung, der langen Akkulaufzeit oder dem großen Arbeitsspeicher herum, sondern beschäftigen sich eher damit, wie gut ein Produkt funktioniert. Wer ein Produkt unkritisch anhand der Eigenschaften hervorhebt, will dieses vermutlich verkaufen…
  • … oder ist ein Fan. Diese unterscheiden sich kaum von den bezahlten Reviewern, verwenden allerdings weniger Marketing-Formulieren. Entsprechende Reviews sind oft besonders emotionsgeladen und verwenden viele Superlative. Reviews von Fans finden sich oft auch bei Produkten, die noch gar nicht auf dem Markt erschienen sind.
  • Das Gegenteil von einem Fan wären die Hasser. Damit sind Nutzer gemeint, die Bücher von einem bestimmten Autor oder Produkte eines bestimmten Herstellers durchgehend schlecht bewerten und ihre Bewertungen in aller Regel nicht begründen. Die Fans und die Hasser stehen bei einigen bestimmten Produkten in einem regelrechten wechselseitigen Streit miteinander; das kommt insbesondere bei Produkten von Apple und Microsoft beziehungsweise Microsoft und Sony zum Tragen.
  • Reviews von Idioten. Dass unter uns dumme Menschen leben, muss wahrscheinlich nicht näher erörtert werden – und einige davon geben nunmal auch Reviews ab. Diese sind in der Regel allerdings recht leicht daran zu erkennen, dass sie gar nicht auf das Produkt selbst eingehen oder Mängel beschreiben, auf die der Hersteller keinen Einfluß hat. Ein (geringfügig überzogenes) Beispiel: “Die Packung von Produkt XY war total zerdellt und kaputt! Und das Produkt ging auch nicht !!! Da kaufe ich nie nie wieder !1!!einseins “

Unter den bezahlten Reviewschreibern sind allerdings natürlich auch einige kluge Köpfe und bisweilen ist es nicht immer einfach, ein gefälschtes Review zu erkennen. Wenn man sich in so einem Fall unsicher ist, empfiehlt es sich, mehrere Wörter aus einem Satz des Reviews zu markieren, in einer Suchmaschine einzugeben und zu gucken, ob diese Wörter (und eventuell auch das komplette Review) an anderen Stellen im Internet zu finden sind. Wer für ein langes, ausgeklügeltes Review bezahlt wird, verwendet dieses vermutlich nicht nur einmal.

Bei Amazon tut man sich selbst zudem einen Gefallen, komplett einen Bogen um die Reviews mit 5 Sternen und einem Stern zu machen. Die Reviews im 2-4 Sterne Bereiche sind in aller Regel differenzierter, gehen eher auf die Produkte und begründen häufig auch, warum sie dem Produkt in ihrem Review einen oder mehrere Sterne abgezogen haben.

Ein Patentrezept für das Erkennen falscher Reviews gibt es leider nicht, aber ich hoffe, dass euch die obigen Anhaltspunkte dabei ein bißchen behilflich sein könnten. Insbesondere bei Kaufentscheidungen von teuren Produkten lohnt es sich, auch Produkttests und Forumdiskussionen einzusehen.

Zum Thema:
[ Pfui: Belkin bezahlt gefälschte Amazon-Rezensionen ]
[ Exclusive: Belkin’s Development Rep is Hiring People to Write Fake Positive Amazon Reviews ]
[ Yes, there ARE fake reviews on Amazon! ]
[ 30 Ways You Can Spot Fake Online Reviews ]
[ A Fake Amazon Reviewer Confesses ]
[ via Lifehacker ]

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