Für freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen
Für gewöhnlich versuche ich tunlichst, politisch gefärbte Themen aus diesem Blog herauszuhalten (der Obama-Ausrutscher sei mir verziehen). In den vergangen drei, vier Wochen hat jedoch einer überaus unterstützendes Thema, genauer gesagt, eine überaus unterstützenswerte Petition, meine Aufmerksamkeit erregt: Auf dem Petitionsserver des Deutschen Bundestages wurde eine Petition eingereicht, in der die Schaffung eines Gesetzes gefordert wird, das sicherstellt, dass aus öffentlichen Geldern finanzierte Forschung und Studien innerhalb von 12 Monaten zentral, frei zugänglich und kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen.
Das dahinter stehende Konzept lässt sich mit einem Schlagwort zusammenfassen: Open Access. Unter Open Access veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten können ohne Zugangsbeschränkungen von jedem Internetnutzer kostenfrei gelesen, heruntergeladen, kopiert, ausgedruckt und weitergegeben werden. Je nach Nutzungsrahmen können die Dokumente darüber hinaus unter anderem auch vervielfältigt und selbstständig weiterverbreitet werden. Das zentrale Argument dahinter: Wenn die öffentliche Hand Forschung mit einem Etat von über 12 Milliarden Euro jährlich fördert, ist es nicht nachvollziehbar, warum die Ergebnisse dieser Forschungen dann nur in teuren, kostenpflichtigen Fachzeitschriften einsehbar sein sollen.

Bildquelle: NDSU
Darüber hinaus hat sich eine komplette, auf die kommerzielle Wissensverwertung spezialisierte Industrie herausgebildet, die den Forschern kaum einen über die Publikation in Printform oder Onlinearchiven hinausgehenden Mehrwert anbieten kann. Die Texte selbst werden den Verlagen in aller Regel gratis, bereits druckfertig korrigiert, bisweilen sogar gegen zu entrichtende Gebühren überlassen, während die Verlage diese Texten in Form teurer Fachbücher oder Zeitschriften vermarkten. Wissenschaftliche Einrichtungen, die derartiges Material für ihre eigenen Forschungstätigkeiten benötigen, müssen die von öffentlichen Geldern geförderte Forschung dann wiederum mit öffentlichen Geldern von den Verlagen “zurückkaufen”.
“Von einer modernen, transparenten und zudem fairen Wissensgesellschaft sind die Selbstausbeutung der auf Veröffentlichung angewiesenen Akademiker wie auch die Preisdiktate mancher Großverlage weit entfernt.”, schreibt Welt Online hier überaus zutreffend. Das Thema fand zuletzt unter anderem im Basic Thinking Blog, bei fefe und bei netzpolitik.org Aufmerksamkeit im Netz.
Es ist hier nicht nur erklärtes Ziel der Petition, die Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung aller Welt zugänglich zu machen, sondern das Material insbesondere für interessierte Forscher zugänglicher zu machen. Institutsbibliotheken, die mit eher kleinen Etats wirtschaften müssen, können sich Zeitschriftenabos in Höhe von 10.000 € oder 20.000 € pro Jahr nicht unbedingt leisten (ein Beispiel: das “Journal of Applied Polymer Science” kostet etwa 21.000 € im Jahr). Und eine Fachbibliothek will nicht unbedingt nur einige wenige Abos vorhalten können – sondern im Gegensatz so viele diesen Fachbereich abdeckende Zeitschriften und Publikationen wie nur irgend möglich.
Deshalb, und wenn auch euch an freiem Wissen etwas liegt, möchte ich euch bitten und auffordern, die Petition mit zu unterzeichnen.
Ich persönliche finde es sehr faszinierend, durch offen zugängliche Forschungsergebnisse zu stöbern und Artikel mit einer Tiefe zu lesen, die einem beispielsweise die Wikipedia nur selten bieten kann und in den nächsten Jahren wohl auch nicht so schnell bieten wird. Eines meiner Lieblingsjournale ist da die Zeitschrift “Asian Ethnology“, die sich mit religiösen Praktiken, Ritualen und Aberglauben in Asien befasst. Neben Artikeln über Geisha (PDF), die Transformation von mythischen Bestien zu niedlichen Mangacharakteren (PDF) oder den Mythen um japanische Füchse (PDF) finden sich auch Artikel über das indische Kastensystem (PDF) oder vergleichende Studien über chinesische und nordamerikanische/indianische Volksmärchen (PDF).
Wäre es nicht toll, wenn wir so auch auf deutsche Publikationen verlinken könnten? Das Vorhaben wird im übrigen unter anderem auch von der Helmholtz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft unterstützt.
[ Petition: Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen ]
[ DOAJ - Nach Fachbereichen sortiertes Open Access Journal Verzeichnis ]
Leseempfehlungen:
[ Akademisches Wissen soll im Netz kostenlos sein @ Welt Online ]
[ Freier Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen: Petition für Open Access gestartet @ Carta ]






