Blog: Low-tech Magazine
Heute möchte ich euch ein großartiges Blog -früher hätte man vielleicht “ezine” gesagt- vorstellen: Das Low-tech Magazine.
Thematisch beschäftigt sich das Low-tech Magazine mit überraschend effizienten Technologien und Werkzeugen aus den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten, die im Laufe der Zeit von “modernerer” Technik überholt und schließlich ersetzt wurden. Die Autoren des Blogs zeigen durch handverlesene Beispiele, dass technologischer Fortschritt nicht immer schnurstracks geradeaus verlaufen muss, sondern dass man auch von vergangenen Tagen noch einiges lernen kann. Darüber hinaus hinterfragen sie das moderne, interdependente Produktionssystem von Industriestaaten und Großkonzernen, bei denen in den Kosten/Nutzenrechnungen Aspekte (Bsp. The monster footprint of digital technology) wie die Entsorgung alter Geräte und durch Ressourcenbeschaffung und -verarbeitung entstehende Umwelt- und Klimaschäden häufig unberücksichtigt bleiben.

Trolleybusse: Elektrische Nahverkehrsfahrzeuge mit Oberleitung.
Wahre Augenöffner sind allerdings die Artikel über alte und wiederentdeckte Technologien. Die Kritik an schadstoffintensiven Produktionstechnologien und Infrastrukturen wie beispielsweise des nahezu komplett von Erdöl abhängigen Verkehrswesens bleibt keine reine Kritik, denn im Low-tech Magazine wird insbesondere versucht, nachhaltigere, günstigere und umweltfreundlichere Alternativen zu den kritisierten Technologien vorzuschlagen. Ein Beispiel dafür wäre der Artikel über Trolleybusse und Trolleytrucks, die heute noch vereinzelt in der Ukraine und Russland verwendet werden und die insbesondere in städtischen Großräumen eine sinnvolle Alternative gegenüber dem kostenintensiven Ausbau von schienenbasierten Transportsystemen darstellen würden.
Ein weiterer, sehr interessanter Teil sind die Betrachtungen über weitestgehend unbekannte Technologien und Werkzeuge, die in den längst vergangenen Tagen der letzten Jahrhunderte Anwendung fanden. Wußtet ihr beispielsweise, dass es etwa zwischen 1800 und 1850 in Frankreich ein optisches Telegrafensystem gab, das komplett ohne Strom auskam und Nachrichten schneller als jedes Pferd und jede Brieftaube transportieren konnte? Das System funktionierte durch ein System von Türmen, die in Sichtweite und in einem Abstand von 5 bis 20 Kilometer voneinander entfernt aufgestellt waren. Jeder Turm war von einem kleinen Team bemannt und mit einem speziell positionierbaren Flaggensystem ausgestattet, die von den Teams bedient wurden. Buchstaben wurden über die Stellung der Flaggen kodiert, mit einem Fernrohr las man die Position der Flaggen am anderen Turm ab, signalisierte das über die eigenen Flaggen dem nächsten Turm – und so gab man die Nachricht weiter. Das System erreichte Übertragungsgeschwindigkeiten von über 1300 Kilometern pro Stunde pro Zeichen.
Dergleichen faszinierende Artikel finden sich in großer Zahl im Low-tech Magazine. Sich vom eigenen Blickwinkel auf Technologie zu lösen und sich mit den Vorläufern und Alternativen zu unseren heutigen Technologien zu beschäftigen, kann eine sehr erfrischende und inspirierende Erfahrung sein, eine Erfahrung, um die man sich beim Lesen auf der Seite des Low-tech Magazines bereichern kann.
Abschließend möchte ich euch noch Leseempfehlungen mit auf den Weg geben:
- Get wired (again): Trolleybuses and Trolleytrucks
- Sunbathing in the living room: oven stoves and heat walls – Guter Gott, Kachelöfen … ich liebe die Dinger.
- Wind powered factories: history (and future) of industrial windmills
- Email in the 18th century: the optical telegraph
- A world without trucks: underground freight networks – Klasse Artikel, im Wesentlichen geht es um eine Art Rohrpostsystem, mit dem auch größere Gegenstände (Europaletten etc.) transportiert werden könn(t)en.
- Tiles as a substitute for steel: the art of the timbrel vault
Wünsche viel Vergnügen beim Lesen.






