Im Blick: Die dunkle Seite von MS Windows Vista (2. Teil)
Vorgestern haben wir uns eine ganze Menge neuer und interessanter Features von Windows Vista angesehen. Da waren die Sprachsteuerung, der neue Desktop, die Grafikpracht von DirectX10, die Parental Control Features und einiges mehr … das neue Windows bringt allerdings auch einige Einschränkungen und Probleme mit sich, die hier keinesfalls unerwähnt bleiben sollen.
Fangen wir mit der Kritik dort an, wo wir auch unseren letzten Artikel angefangen haben – beim Dateisystem.
Werft rechts einen Blick auf das neue Startmenu von Vista (für größere Ansicht auf das Bild klicken). Das “neue, bunte, bessere, komfortablere” Startmenu ging mir schon in Windows XP tierisch auf die Nerven – aber dieses Vista Startmenu … nun, ich neige dazu, meine Programme selbst in Gruppen zu sortieren und von den “kürzlich geöffnete Dateien” Features sowie einer Favoritenliste im Startmenü halte ich nichts.
Zudem sieht es so aus, dass man die “Ausführen” Kommandozeile in Vista endgültig versaut hat – in einem Artikel bei IntelliAdmin wird das Problem recht anschaulich beschrieben:
Wenn man ein Programm ausführen möchte und bei der Pfadeingabe den Backslash vergißt, führt Vista ein Programm aus, das der Eingabe vom Namen her am meisten ähnelt. Wenn ich also “c:” eintippe, wird der Remote Desktop gestartet! Argg! Ich mache diesen Fehler immer noch etwa 10 Mal am Tag. Dabei wäre es so einfach, kurz zu überprüfen, ob der eingegebene Ordner überhaupt existiert, bevor eine Anwendung gestartet wird. (frei übersetzt aus IntelliAdmin)
Hinzu kommen die ganzen Wizards und Task-orientierten Menüs; die gingen mir schon in XP auf die Nerven. Die wirklich wichtigen, direkt anwählbaren Optionen hat man in Vista noch effizienter vor den Benutzern versteckt. Ich verstehe ja, dass man die Rechner der unzähligen DAUs da draußen vor ihren Benutzern schützen möchte, aber wenn das zu Lasten der Nutzer geht, die von ihrem Betriebssystem effizient Gebrauch machen wollen, hört für mich der Spaß auf. Beispiele? Das klassische, aufpoppende Startmenü wurde in Vista standardmässig durch ein nach Gruppen sortiertes, “intelligentes” Menu ersetzt. In meinen Augen ist das lediglich eine weitere nervige Einstellung, die man ändern muss, bevor man gescheit mit dem System arbeiten kann.

Altes und neues Startmenü im Vergleich.
Zudem scheint das systematische Verstecken von Optionen unter den Vista-Programmierern zu einem neuen Volkssport avanciert zu sein. Beispiele? Sollt ihr kriegen. Ich zitiere stellvertretend die Erfahrungen eines Autors bei franticindustries (frei übersetzt):
Dann wäre da die Plazierung der Optionen. Es ist sogar noch schwieriger geworden, Einige davon zu finden. Ich glaube dass die meisten Power User am glücklichsten wären, wenn man alle Windows Optionen in einer einzigen, langen Liste mit Checkboxen aufgeführt hätte, aber bei Microsoft tut man offenbar sein Bestes, die Optionen an einer Million verschiedener Orte zu verstecken. Und wenn man ein und dieselbe Anwendung von verschiedenen Orten aus öffnet, so startet sie häufig mit unterschiedlichen zur Auswahl stehenden Optionen. Das Schlimme ist, dass die Optionen weitestgehend mit denen von Windows XP identisch sind – sie sind nur etwas schwieriger zu finden.
Ein Beispiel. Der Resource Monitor ist eine der nützlichsten neuen Anwendungen in Vista – er überwacht alle Systemaktivitäten: CPU-Auslastung, Speichernutzung, Plattenzugang, Netzwerkauslastung. Man würde dieses neue Tool normalerweise im Control Panel erwarten, richtig? Falsch. Ok, dann im Control Panel und dort in der Unterrubrik ‘System’, oder? Nein. Control Panel, dann Performance Information und dann Tools? Das ist es doch bestimmt, oder? Nein.
Wo ist es dann? An zwei Orten. Start, Rechtsklick auf “Computer”, dann auf “Manage”. Dort auf “System Tools”, dann auf “Reliability und Performance”. Der andere Ort wäre das Performance Tab im Task Manager, aber wenn es von dort öffnet, startet es in einem eigenen Fenster. Was mich dabei beschäftigt: Warum konnte man diese Option nicht einfach im Control Panel hinzufügen? Es wäre nur logisch, es dort zu plazieren. Jeder wird dort zuerst danach suchen. Der Name “Control Panel” läßt doch vermuten, dass sich dort eine Anwendung befindet, mit der man seine Ressourcen kontrollieren kann. Aber nein. Entgegen jeglicher Vernunft ist es absolut unmöglich, diese Option vom Control Panel aus anzuwählen.
Dies ist ein erstklassiges Beispiel dafür, wie es Microsoft kontinuierlich gelingt, wichtige Features außer Reichweite der Nutzer zu tragen – wahrscheinlich mit dem Hintergedanken, die Benutzung zu vereinfachen; nur leider erreicht man genau das Gegenteil. (frei übersetzt von franticindustries)
Dann wäre da eine Sache, ein Problem, das alle Windows Benutzer schon seit Ewigkeiten kennen und hassen dürften: Der Kopiervorgang.

Schon über zehn Jahre alt und bisher kaum verändert: Der Kopiervorgang.
Ja, der Kopierprozeß ist immer noch untrennbar mit dem Explorer verbunden (heißt: wenn der Explorer mal wieder abkackt, ist auch der Kopiervorgang für die Katz), nein, man kann einen Kopiervorgang immer noch nicht pausieren oder abbrechen und hinterher wieder fortsetzen und ja, wenn es beim Kopiervorgang einen Fehler gibt (etwa, wenn man von einem Netzlaufwerk kopiert und im Kopiervorgang die Verbindung abbricht), kann es immer noch passieren, dass einem der komplette Explorer abkackt. Ich kann den Entwicklern für fehlende Verbesserungen an dieser Stelle wirklich nur noch Unverständnis entgegenbringen.
Dann wären da die Funktionen für Sicherheit und Kontrolle. Ich hatte bereits erwähnt, dass Vista vor allem mit dem Gedanken, mehr Sicherheit zu bieten, entworfen wurde. Das heißt: Mehr Sicherheit beim Surfen, mehr Sicherheit für die Kinder, weniger offene Sicherheitslücken und Absicherungen, die vor dem Ausführen potentiell schadhafter Software schützen sollen. Das ging in der Praxis allerdings mehr oder weniger in die Hose.
Jeder neue Vista User wird in sehr, sehr kurzer Zeit das “User Account Control” Feature, kurz UAC, aus tiefstem Herzen hassen lernen. Dieses verlangt nämlich bei vielen verschiedenen Aktionen wie etwa dem Ausschalten der Firewall oder der Antivirensoftware, der Installation neuer Programme oder dem Hinzufügen oder Löschen von Benutzeraccounts fast immer eine Bestätigung und manchmal sogar die Eingabe eines Passworts.

Eine UAC Sicherheitsmeldung.
Der Gedanke dahinter ist ja durchaus löblich – angenommen, der Rechner wäre mit Malware oder Spyware infiziert, könnte man durch die UAC-Abfrage zum Beispiel verhindern, dass diese Programme “nach Hause telefonieren” und weiteren Datenmüll runterladen. Guter Gedanke, nur leider katastrophal umgesetzt. Man kann das “User Account Control” Feature zum Glück in der Accountverwaltung unter “Accounts” abschalten.
Dann wäre da noch der Hardwarehunger, der von Vista-Gegnern gerne als Argument benutzt wird. Schauen wir uns zunächst die offiziell von Microsoft herausgegebenen Spezifikationen an:
A Windows Vista Capable PC includes at least:
- A modern processor (at least 800MHz1).
- 512 MB of system memory.
- A graphics processor that is DirectX 9 capable.
A Windows Vista Premium Ready PC includes at least:
- 1 GHz 32-bit (x86) or 64-bit (x64) processor.
- 1 GB of system memory.
- Support for DirectX 9 graphics with a WDDM driver, 128 MB of graphics memory (minimum), Pixel Shader 2.0 and 32 bits per pixel.
- 40 GB of hard drive capacity with 15 GB free space.
- DVD-ROM Drive.
- Audio output capability.
- Internet access capability.
Zugegeben, 15 Gigabyte freier Speicher, ein Gigabyte RAM und eine 128 MB DirectX9-fähige Grafikkarte sind für ein bißchen Spracherkennung und funkelnde Fensterchen echt etwas übertrieben. Man sollte allerdings im Hinterkopf behalten, dass das die Spezifikationen für die Vista Premium Edition mit dem Aero Desktop sind – wer auf den grafischen Schnickschnack verzichten möchte, wird also auch mit etwas weniger leistungsfähigen Rechnern auskommen.
Aktive Zocker müssen sich, wenn sie am Ball bleiben wollen, ohnehin etwa alle anderthalb Jahre ein neues System zulegen oder das Alte merklich aufrüsten – und seien wir ehrlich: Wenn sich jemand ein Windows Vista mit dem Aero Desktop leisten kann, wird er höchstwahrscheinlich auch das nötige Kleingeld für ein bißchen neuen Speicher und eine DirectX9-fähige Grafikkarte übrig haben.
Alle Anderen arbeiten solange mit dem stabilen, erprobten und weniger leistungshungrigen Windows XP weiter.
Auf die DRM-Problematik allgemein und insbesondere unter Windows Vista werde ich in nicht allzu ferner Zukunft in einem separaten Artikel genauer eingehen.
Verwendete Quellen:
- The 5 sins of Vista (IntelliAdmin)
- Why power users will hate Vista (franticindustries)
- Windows Vista Ultimate, A Hands On Diary: Entry #1 (TomsHardware)
- Why I am afraid of Windows Vista (Philoking.com)
- Windows Vista Capable and Premium Ready PCs (Microsoft)







Ok, erstmal sehr geiler artikel.
Wo wir nun mal gerade bei den dunklen seiten von vista sind hier zwar nicht direkt dunkles aber gut: Aero. Is ja schon sehr geil. Aber, ich ahbe heute an meinen Nviev einstellungen (die einstellungen von meinem Grafikkartentreiber) etwas sehr geiles entdeckt: Transparente Fensterdarstellung! Da kann man auch die fenster auf dem desktop drehen und so viele andere lustige und praktische sachen machen wie fenster am raster ausrichen oder fixieren usw. da frage ihc mich doch: warum vista kaufen wenn ich aero auch so habe?^^ Ok, ich hols mir trotzdem, aber erst wenn ich gerade nix anderes finde wofür ich mein geld ausgeben kann^^
MfG. Leonard
Dieser Artikel bestätigt meine über längeren Zeitraum aufgestellte Theorie nur noch weiter. Nämlich das seit Windows 2000 Microsoft in seinen Betriebtssystemen nur noch Rückschritte gemacht hat.
Es ist echt nicht mehr mit anzusehen und wenn ich mir dann anschau was andere Hersteller wie Novell für Linux Desktops auf die Beine stellen gibts für mich nur noch eine Alternative:
Good Bye Windows
Good Morning Tux
Ich empfinde das so, als wenn Microsoft nur versucht das Design immer weiter aufzupushen und irgendwelche revolutionären Extras einbauen will…. Aber hinter die Kulissen (ohne die ein Theater ja auch nicht funktioniert) schaut niemand. Neee… Muh.
Eine frage: weiß irgendjemand von neuen Funktionen bei vista zur erseiterten Nutzung von 2 screens? ICh denke das das doch mal echt was praktisches wäre, gerade für leute die mit ihrem PC viel arbeiten, oder denen einfach nur die srändig blinkenden ICQ fensterchen nerven die sich dann immer wieder vor Firefox pflanzen. Wer mit XP 2BIldschirme angeschlossen hat bekommnt meiner meinung nach nämlich nur recht beschränkte nutzungsmöglichkeiten. Hast du bei deiner Recherche darüber vielleicht etwas über neue funktionen herausgefunden?
@Jasper:
Ich selber habe 4 Bildschirme am Rechner (zwei an einer AGP und zwei an einer PCI Karte).
Und das absolut beste Programm dafür ist UltraMon, also wenn du nach soetwas auf der suche bist is das optimal für dich…
danke für den tipp!
aber gehe ich damit richig in der Annahme dass in Vista solche features wie in Ultra mon nicht enthalten werden sein? Wenn ja wäre das meines erachtens recht enttäuschend, da ja nun am Windows Desktop so “viel” revolutionäres verändert wurde, und so etwas meiner meinung nach eigendlich auch dazu gehören sollte. Naja, who cares? Solange es andere KOSTENLOSE programme gibt mit denen man solche dinge ausbessern kann.
Danke nochmal
Dieses UAC funktioniert doch augenscheinlich genauso wie die Sicherheitsabfragen bei Ubuntu, oder?
Ich finde es durchaus praktisch. Das ganze macht natürlich wenig Sinn, wenn man eh als Admin angemeldet ist. Erstellt man sich aber als erstes ein Userkonto OHNE Adminrechte, so ist es endlich möglich mit dem Wissen des Adminpassworts unter seinem normalen Konto Adminaktionen durchzuführen (Systemeinstellungen, Programme installieren).
DAS ist wirklich mal was wert. Denn bisher war ein ständiges Ab- und Anmelden (als Admin) für diese Aktivitäten erforderlich. Mit dem Ergebnis, dass so gut wie jeder Nutzer dauerhaft als Admin unterwegs war und die Angriffspunkte durch permanente Adminrechte offenlegte. Von daher finde ich die User Access Control durchaus sehr sinnvoll. Allerdings nur, wenn man die Passwortabfrage zur Bedingung macht (sonst braucht man ja nur Enter drücken, was auch jede Spyware etc. hinbekommt
)
Natürlich möchte ich auch nicht, dass bei jedem Internetzugriff eines wissentlich installierten Programms die Erlaubnisabfrage kommt. Aber allein endlich als normaler User unterwegs zu und trotzdem bei Bedarf Adminrechte zu genießen ist schon was.
Alles nur geklaut von Apple aber naja is halt Microsoft!! Aber solange die es nur schlecht kopieren ist es ja gut!!!
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